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Installation "RHYTHMUS DER STATISTIK"

Das Verhältnis von Malerei und Medien ist sein Generalthema, das an Objekten der Hochtechnologie des Fortschritts der Geschwindigkeit durchgespielt wird. Der Gang durch die Ausstellung gleicht einem Streifzug durch die Philosophie Paul Virilios und seiner Kritik der Raserei der Moderne. Auf rund 100 kleinformatigen Ölskizzen von R.J.Kirsch ist sie zum Stillstand gekommen, das abgesoffene Kreuzfahrtschiff, abgestürzte Flugzeuge, zertrümmerte ICEs in den Fluten versinkende Busse, in Abgründen zerschellte LKW, aufgeschlitzte und entgleiste Waggons, alles Bilder von realen Unfällen, von Katastrophen die tatsächlich stattgefunden haben, die Kirsch aber nach dokumentarischen Fotografien aus den Medien gemalt hat.

Theo Schneider/SWR 2


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Installation PHANTOM

Mit PHANTOM greift Kirsch das Verfahren des Fotogramms auf, also die kameralose Fotografie, die bereits vor über 150 Jahren von dem Foto-Pionier Fox Talbot entdeckt und in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts von Künstlern wie Man Ray und insbesondere Lazlo Moholy-Nagy für die Kunst nutzbar gemacht wurde. Rolf Kirsch hat das alte Verfahren mittels Farbe und Bewegung neu belebt und seine Möglichkeiten erweitert. Die Arbeit besteht aus diversen Komponenten, die sich in komplexer Weise aufeinander beziehen: Skulptur, Fotografie, Projektion, Video. Wieder bespielt Kirsch hier den Grenzbereich zwischen Elektronik und Malerei, Technizität und Kreativität. Die Kleinplastiken, sog. „Requisiten“, die den Ausgangspunkt des Projekts bilden, entstehen bereits seit 1999; sie bestehen aus Elektronikschrott wie Kabel, Stecker etc., die der Künstler, wie eine Spinne ihr Netz, Schritt für Schritt von innen nach außen zusammengefügt und alles mit der Heißklebepistole zu schwarzen, annähernd sphärischen Gebilden verklebt hat. Ihre filigrane Bauweise lässt sie transparent und leicht erscheinen. Mit diesen Objekten stellt Kirsch Schattenbilder her, indem er sie aus Lichtquellen in den Grundfarben anstrahlt und ihre Konturen auf einen Hintergrund projiziert.

Sabine Schütz, Köln
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Zur „Kinetik“ in den Arbeiten von R.J.Kirsch

Um es gleich vorwegzunehmen, Rolf Kirsch ist kein Kinetiker in einem herkömmlichen Sinne, seine Arbeiten keine beweglichen Skulpturen wie man sie typischerweise erwartet. Als Maler und konzeptioneller Künstler beschäftigt er sich allerdings ausgiebig mit der Bewegung von Dingen, besser mit dem Wechselspiel von Stillstand und Bewegung und kreist dieses Verhältnis mit seinen Arbeiten von verschiedenen Seiten systematisch ein. Und hierbei sind es nicht nur die tatsächlich physischen Bewegungen sondern auch die Kinetik des Virtuellen, die den Maler interessiert. Dabei entstehen malerische ebenso wie auch filmische Arbeiten, die sich gegenseitig durchdringen.
Kirsch konzentriert sich hierbei schon früh auf die Bewegung von Fahrzeugen. Doch ist es weniger die Beschleunigung, die zum Ausgangspunkt seiner Auseinandersetzung wird, vielmehr beschäftigt ihn deren abrupte Beendigung, der Stillstand, die Störung von Funktionsabläufen. Folgerichtig beginnt er seinen Diskurs mit der Inszenierung von Störungen (Studien zur Elektrizität), die er anhand von fiktiven Blaupausen (blueprints), technischen Konstruktionsplänen durchspielt , um sich im Folgenden in der Serie RHYTHMUS DER STATISTIK der Phänomenologie des Verkehrsunfalls zu widmen. Aus einer umfangreichen Serie von Öskizzen, die von 2002 bis heute entstanden sind, entwickelt Kirsch die Serie ABSTRACTS, in der seine Malerei in Bezugnahme auf die Tradition des Faltenwurfes die Aufzeichnung kinetischer Verformung vollzieht und bei aller Aktualität auf ihre Wurzeln zurückführt.

Ausgangspunkt für seine diesbezüglichen Studien bilden sogenannte FOLDS, kleine kürbisgroße Skulpturen, mit deren Hilfe Kirsch die Struktur komplex verfalteter Oberflächen untersucht. Ähnlich zu diesen Objekten sind seine REQUISITEN, schwarz-matte Geflechte, bestehend aus Schrottteilen, vornehmlich der Elektronikindustrie, die ein wenig an ausgebrannte Wrackteile erinnern. Diese Requisiten dienen dem Künstler als Objekte zur Erzeugung von Schattenwürfen, die er parallel zu seinen Faltenwürfen inszeniert. Das Prinzip dieser Arbeit ist denkbar simpel, drei Projektoren strahlen in den drei Grundfarben der Lichtfarbmischung auf lichtempfindliches Papier, das den Schatten in Fotogrammen PRINTS einfüngt. In einem weiteren Schritt setzen sich diese Skulpturen nun langsam in Bewegung und aus dem Schattenbild entsteht ein Schatten-Film
PHANTOM, der langsam und gleichmäßig den Betrachter in eine Art Schwebezustand zu versetzen scheint. Begleitet wird diese Arbeit von Aquarellen und Zeichnungen, die in STORYBOARDZEICHNUNGENdie Bildlichkeit dieser Fotogramme und die sequentiellen Abläufe der Filme durchspielen.

Aus dem Stillstand des einzelnen Bildes, des einzelnen Frames entsteht hier die filmische Bewegung, die im Zusammenhang mit einer eigens hierfür entwickelten Aufnahmeapparatur in konkret kinetisches Arbeiten mündet. Grundsätzlich beziehen sich seine Fotogramme und Filme auf eine Abklärung mit virtuellen Bildmedien. “Alle technische Bilder sind Schattenbilder” ist hierbei eine Grundaussage, die zum Leitmotiv dieser Auseinandersetzung wird.

Kirschs Arbeiten pendeln so zwischen Stillstand und Bewegung und thematisieren das Aufeinandertreffen von künstlerischer Praxis mit moderner Technik. Exemplarisch wird hierbei das Verhältnis von Malerei und Medien ausgelotet. Neben den Serien zur Havarie von Fahrzeugen, in denen die kinetische Deformation auf die künstlerische Tradition des Faltenwurfs und der Historienmalerei Bezug nimmt, stellt also ein weiterer Schwerpunkt seiner Auseinandersetzung die Durchdringung medialer Abläufe mittels malerischer Arbeitsweisen dar.


  • Studium an den Kölner Werkschule bei Wewerka, Spoerrie und Dank
  • Abschluss 1991 in Malerei beiProf. Franz Dank


  • Ausstellungen

  • 2014 DREI STILLLEBEN, Kunstverein Rhein/Sieg, Siegburg
  • 2014 PHANTOMS, Meta Weber Galerie, Krefeld
  • 2014 PHANTOMS, Kunstverein Bayreuth
  • 2013 PHANTOMS, RAUMSECHS Düsseldorf
  • 2013 OSTRALE, intern. Kunstausstellung Dresden, Katalog
  • 2013 Der Maler im Dunkel, Kunstverein Viernheim, Katalog
  • 2012 Das verortete Verlangen, Feuerwache Friedrichshain, Berlin, Katalog
  • 2011 HOT SPOT BERLIN, Georg Kolbe Museum, Berlin, Katalog
  • 2010 serialworks studio, National Gallery, Kapstadt, Südafrika
  • 2010 ZIVILCOLLAGE, Berufsverband Bildender Künstler Köln
  • 2010 "LEERLAUF", zus. mit Max Scholz, Bellevuesaal Wiesbaden
  • 2009 REANIMATION, Galerie Jürgen Kalthoff, Essen
  • 2008 Still Life Pieces, Art Galerie 7, Köln
  • 2008 PASSAGEN, Galerie Abel Neue Kunst, Berlin
  • 2008 Im Konjunktiv der Dinge, Galerie Jürgen Kalthoff, Essen
  • 2007 Gropius Stories, Galerie im Körnerpark, Berlin
  • 2006 Rhythmus der Statistik, Abel Neue Kunst, Berlin
  • 2006 Rhythmus der Statistik, Galerie Rachel Haferkamp, Köln
  • 2005 cars and races, Galerie Foert/Garanin, Berlin
  • 2004 Mit den Füßen zuerst, Galerie v.d. Milwe, Aachen
  • 2004 Temporary Bell Tone Laboratory, Pilotprojekt Gropiusstadt, Berlin
  • 2004 Status Quo, Galerie Murata&friends, Berlin
  • 2003 Zu Hause bleiben, Installation, Moltkerei-Werkstatt, Köln
  • 2003 The Merry Waitingroom, opening event, Kulturhauptstadt Graz
  • 2001 Sammlung SK Köln
  • 1999 Goethe-Institut, Brüssel/Evere, Belgien
  • 1999 PHANTOM, Museum Albstadt, Katalog


  • Messen

  • 2009/2010/2011/2013 Art Fair Köln
  • 2007 F.I.T. Berlin,Fuel for Art, Miami
  • 2007 MACO, Abel Berlin, Mexico City
  • 2008 bridge Art Fair, Miami
  • 2006 preview Berlin
  • 2005 2.Berliner Kunstsalon
  • 2005 Kunst Köln
  • 2004 Art Fair Köln


  • Stipendien und Auszeichnungen

  • 2004 Arbeitsstipendium Haus Schwarzenberg, Berlin
  • 2003 Arbeitsstipendium Pilotprojekt Gropiusstadt, Berlin
  • 2002 nominiert für das Villa Aurora Stipendium
  • 2001 Otzenrath Stipendium, Hausmuseum Otzenrath
  • 2000 Förderstipendium Marli-Hoppe-Ritter-Stiftung
  • 2000 Förderstipendium Kuratorium ZNS
  • 1991 nominiert für das Peter-Mertes-Stipendium


  • R.J.Kirsch auf wikipedia

  • PHANTOM Website



  • Kunstverein Eisenturm Mainz